AD(H)S Ursache

Heutzutage geht man davon aus, dass es sich bei ADHS um eine neurobiologische Erkrankung handelt, und zwar um eine Funktionsstörung in jenen Teilen des Gehirns, die für Aufmerksamkeit, Konzentration, Planung von Handlungsabläufen, Problemlösung und Impulskontrolle zuständig sind. Diese neurobiologisch bedingte Funktionsstörung wird durch genetische und Umweltfaktoren bedingt, wobei die genetische Komponente im Vergleich zu anderen Erkrankungen im neuropsychiatrischen Gebiet besonders ausgeprägt ist: Bis zu 35% aller Kinder mit ADHS haben einen Verwandten ersten Grades, der auch an ADHS leidet. Genetik und Neurobiologie alleine reichen jedoch in der Regel nicht aus, um die Problematik eines ADHS-Patienten vollständig zu erklären. In der biographischen Entwicklung des Menschen treten eine Vielzahl von Umweltfaktoren auf, die die Entwicklung der angelegten Störung begünstigen oder eindämmen, möglicherweise sogar ganz verhindern können. Es handelt sich also um ein komplexes Wechselspiel zwischen körpereigenen und Umweltfaktoren (wie z.B. frühe Kindheitsentwicklung, Vernachlässigung durch Bezugspersonen, traumatische Lebensereignisse oder aber Förderung und emotionale Unterstützung durch Eltern etc.), die die Entstehung und den Verlauf der Erkrankung maßgeblich beeinflussen.

Es gilt als gesichert, dass der ADHS auf Ebene des zentralen Nervensystems eine fehlerhafte Informationsverarbeitung zwischen bestimmten Hirnabschnitten zugrunde liegt. Diese Störung ist wiederum durch ein Ungleichgewicht bestimmter Botenstoffe (Neurotransmitter) in diesen Hirnbereichen bedingt. Neurotransmitter sind chemische Substanzen die – vereinfacht gesagt – der Informationsweiterleitung zwischen den Nervenzellen dienen. Bei der ADHS sind vor allem die Botenstoffe Dopamin und Noradrenalin von Bedeutung.